Obermarkt in Görlitz

Obermarkt in Görlitz

Der Obermarkt ist der größte Platz in der Görlitzer Altstadt. Es wird im Osten von der gotischen Dreifaltigkeitskirche und im Westen vom Reichenbachturm (Hintergrund) begrenzt. Luxuriös gestaltete Stadthäuser säumen das Gebiet. Unter den vielen barocken Häusern sticht besonders das 1718 erbaute Haus am Obermarkt 29 hervor, in dem sich unter anderem August der Starke, Zar Alexander I. und Napoleon aufhielten. Der Reichenbacher Turm ist übrigens der höchste erhaltene Wehrturm. Sein heutiges Aussehen erhielt er 1484. Als Wachturm ist er eine besondere Touristenattraktion. Hinter dem Turm befindet sich der Kaisertrutz, eine 1490 erbaute Befestigungsanlage, die in ihrer runden Form an die Engelsburg in Rom erinnert.


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Aufbau und Verkehr des Görlitzer Obermarktes


Seit der Umgestaltung des Platzes im Jahr 1939 ist er durch zwei von Norden nach Süden verlaufende befestigte Straßen geteilt. Seitdem erlaubt die westliche der beiden Straßen den Übergang von der Breite Straße zur Steinstraße. Die Oststraße ist am Klosterplatz durch Poller gesperrt und dient nur noch als Zufahrt zu den Parkplätzen in der Mitte des Platzes. Die gepflasterte Mitte des Marktplatzes wird heute fast ganzjährig als Parkplatz für etwa 80-100 Autos genutzt. Während des Görlitzer Altstadtfestes, für das Straßentheater ViaThea und andere Großveranstaltungen wird der zentrale Bereich auch als Veranstaltungsfläche genutzt.

Viele Gassen und Straßen führen zu der gepflasterten Straße, die den Platz umrundet: Breite Straße, Verrätergasse und Fleischerstraße im Norden, Brüderstraße im Osten, Klosterplatz und Steinstraße im Süden und Platz des 17. Juni im Westen. Die Brüderstraße verbindet den Platz mit dem Untermarkt und der Altstadt. Steinstraße und Klosterplatz schließen an den Marien- und Demianiplatz sowie die Elisabethstraße an und führen zu den innerstädtischen Einkaufsmeilen.

Zwischen 1883 und 1939 verkehrte die Görlitzer Straßenbahn auf der Südseite des Platzes in Richtung Endstation Untermarkt. Die Gleisanlagen wurden 1939 bei der Renovierung des Marktes entfernt.

Georgsbrunnen

Georgsbrunnen

Der Georgsbrunnen hat eine bewegte Geschichte. 1590 am Obermarkt errichtet, musste er mehrmals versetzt werden, bevor er im Jahr 2000 an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren durfte. Auf dem Görlitzer Obermarkt am Beginn der Brüderstraße bildet der



Der Obermarkt seit den 1990er Jahren


Am 27. September 1990 spricht Helmut Kohl auf dem Obermarkt vor einer begeisterten Menge. Fünf Minuten lang schwamm der damalige Bundeskanzler vor seiner Rede durch die Menge. Laut Dresdner Morgenpost verfolgten 25.000 Menschen Kohls Rede auf dem Platz. Schwarz-rot-goldene Fahnen wehten auch ohne das Emblem der DDR und die gold-weiße Flagge Niederschlesiens. Helmut Kohl soll gefragt haben, was diese gold-weiße Fahne bedeute, und dann seine Rede mit den Worten eröffnet: „Liebe Niederschlesier“. In den folgenden Jahren hielt er zwei weitere Reden in Görlitz, diese jedoch in kleineren Sälen. Am 24. November 1990 wurde der CDU-Politiker durch den SPD-Vorsitzenden Willy Brandt abgelöst. Görlitz galt bis 1933 als Hochburg der Sozialdemokratie. Allerdings musste sich Brandt mit einer deutlich geringeren Teilnehmerzahl begnügen.

Nur wenige ortsansässige Gewerbemieter überlebten die Wende und damit den verschärften Wettbewerb der Marktwirtschaft. Dazu gehörten das Bestattungshaus Ullrich, die Metzgerei Gruske sowie die Restaurants Zum Nachtschmied und Café Schwibbogen. Das Bestattungshaus Ullrich war nun das älteste Geschäft am Obermarkt. Aber es gab auch viele neue Mieter, darunter einige Restaurants und Cafés, einen Blumenladen, einen Innenarchitekten, einen kleinen Lebensmittelladen, eine Krankenkasse und andere Geschäfte. Manche haben es nur ein paar Jahre gemacht, z.B. B. Sport-Petzold und Zippel Toys. Dieser Laden mit Inhaberin und Verkäuferin Gisela Zippel galt vielen Görlitzern als Institution. 1993 zog sie von der Ecke Schulstraße/Berliner Straße an den Obermarkt und schloss ihr Geschäft nach ihrer Pensionierung und 60-jähriger Geschäftstätigkeit 1997. Auch die Zahl der Wohnungsmieter ging trotz der staatlichen Sanierung immer mehr gut zurück. Das lag auch an der rückläufigen Einwohnerzahl im gesamten Stadtgebiet, aber wohl auch an der Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr und die großen Parkflächen auf dem Platz. Der Obermarkt ist aber nach wie vor Ausgangspunkt und Tor zur Görlitzer Altstadt sowie Schauplatz vieler Veranstaltungen, zum Beispiel des Straßentheaterfestivals Via-Thea, des Schlesischen Tippelmarkts, bestimmter Feste des Christkindelmarkts und der Festspiele in der Görlitzer Altstadt.


Sagen und Legenden des Obermarktes in Görlitz


Im wohl bekanntesten Haus auf der Westseite des Platzes, ehemals Hausnummer 14, wohnte einst ein Schmied. Der Görlitzer Legende „Der Nachtschmied“ zufolge arbeitete er für den Teufel. Das Haus wurde nach seiner Zerstörung 1708 wieder aufgebaut. Das in Stein gemeißelte Frauenbild an der Ecke Obermarkt/Fleischerstraße erinnert an die Sage vom Klötzelmönch. Die Frau ist eine Mutter, die den Verlust ihrer Tochter betrauert und auf ihre Rückkehr wartet. Auf dem Haus gegenüber war ein steinerner Kopf des ungezogenen Mönchs. Er soll das hübsche Mädchen ermordet und unter einem Grabstein in der Trinity Church versteckt haben. Bei dieser Tat wurde er von einem Handwerker beobachtet und zur Strafe vom Bürgermeister lebendig in der Kirche eingemauert. In der Dreifaltigkeitskirche hört man noch heute seine Holzpantoffeln klirren.


Lage des Obermarktes auf der Karte von Görlitz


Der Görlitzer Obermarkt liegt am Schnittpunkt der Görlitzer Altstadt mit der gründerzeitlichen Innenstadt. Es wird begrenzt von Bürgerhäusern, der Dreifaltigkeitskirche im Südosten, dem Reichenbacher Turm und dem Kaisertrutz am Platz des 17. Juni im Westen.

Titelbild Copyrights: Georgsbrunnen auf dem Obermarkt in Görlitz - Südstädter - Own work - CC BY 3.0

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