Muschelminnabrunnen

Muschelminnabrunnen in Görlitz

Auf dem Postplatz in Görlitz befindet sich der wohl schönste Brunnen der Stadt: die Muschelminna. Hier können Sie sich nach einem Einkaufsbummel auf der Berliner Straße entspannen und den Blick auf den Kunstbrunnen genießen. Nach Fertigstellung des ersten Postamtes 1855 und des Gerichtsgebäudes 1865 wurde der alte Viehmarkt abgerissen und Bäume gepflanzt. Der Oberpräsident der Provinz Schlesien, Freiherr von Puttkammer, späterer preußischer Innenminister, unterstützte die Einwohner von Görlitz bei ihren Bemühungen um einen künstlichen Brunnen zur Verschönerung des Platzes. Offenbar ist es seiner Fürsprache zu verdanken, dass der Staat Preußen den größten Teil der Kosten getragen hat.


Kurze Beschreibung des Muschelminnabrunnen


Görlitz - Postplatz - Muschelminna 05 ies.jpg
Von Frank Vincentz – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Robert Toberentz, Bildhauer aus Breslau, fertigte die Entwürfe und Modelle an; die Bildhauer Ochs (Vater & Sohn) aus Berlin fertigten die Arbeit in Marmor an. Die Bronzefigur wurde in der Kunstgießerei Lauchhammer gegossen. Der Kunstbrunnen wurde am 12. November 1887 eingeweiht. Er gilt als der schönste Brunnen Schlesiens. Um einen abgestuften Sockel aus Carrara-Marmor sitzen vier überlebensgroße Figuren, zwei Männer und zwei Frauen. Als Jäger, Nymphen, Fischer und Meerjungfrauen sollen sie Macht, Skalierbarkeit, Nützlichkeit und Romantik repräsentieren. Auf dem Sockel stand eine weibliche Bronzefigur, die wahrscheinlich die Natur darstellte und eine Muschel über ihrem Kopf hielt.

Die Einwohner von Görlitz nannten diese Figur liebevoll Musselminna. Nur zu besonderen Anlässen durfte Wasser aus der Schale fließen. Das schont die empfindlichen Marmorfiguren, denn das herabfallende Wasser fügt dem kostbaren Material irreparable Schäden zu. Wasser spritzte aus den Masken zwischen den Figuren, kleinen Fontänen im Becken und den Schnäbeln von vier Schwänen, die wahrscheinlich aus Zinkguss waren.

Der Wunsch der Görlitzer nach ihrer Minna-Form erstarb nie und so wurde 1987 der Dresdner Bildhauer Friedemann Klos beauftragt, ein neues Formmodell nach historischen Fotos anzufertigen. Der Bronzeguss der neuen „Minna“ wurde wieder von der Kunstgießerei Lauchhammer übernommen und seit dem 1. Mai 1994 steht die Nachbildung der ursprünglichen Brunnenfigur auf dem Sockel und krönt das architektonische Ensemble vom Postplatz.

Zur Advents- und Weihnachtszeit wird am Muschelminna-Sockel eine Beleuchtung angebracht. Die Kosten werden von einem Görlitzer Aktionsring vorfinanziert.


Rund um den Muschelminnabrunnen in Görlitz


Muschelminnabrunnen

Das Areal rund um die Muschelminna wurde mehrfach verändert, aber erst 1937, als die Straßenbahngleise verlegt wurden, verschwand der kunstvoll gestaltete Bürgersteig um das Brunnenbecken. Ein großer Grasstreifen wurde gesät und hindert nun jeden daran, sich dem Kunstwerk zu nähern. Wie viele Denkmäler und Kirchenglocken wurde die „Minna“ im Juli 1942 zum Einschmelzen für die Rüstungsindustrie transportiert. Erst 1967 wurde der Sockel wieder gekrönt – eine Marmorschale.

Die Gestaltung des Platzes mit den sternförmigen Gängen entstand nach 1889. Dies war nach der Fertigstellung des heutigen Postamtes. 1937 wurde das Rasenoval angelegt, das nun den direkten Zugang zum Brunnen verhinderte. 1942 wurde die Bronzefigur zu Waffenzwecken eingeschmolzen. Für Nervenstarke ein trauriges Bild. Nach dem Krieg wurde an seiner Stelle ein Marmorbecken aufgestellt, das im gleichen Stil wie der Rest des Brunnens gestaltet war. Wer den Brunnen mit Minna nicht kennt, hatte nie das Gefühl, dass etwas fehlt. In der Adventszeit wurde aus dem Brunnen eine Weihnachtspyramide gebaut. 1987 erhielt Friedemann Klos den Auftrag, eine neue Minna nach alten Vorbildern zu bauen, die fast ausschließlich aus Spenden finanziert wurde. Eine wichtige Spende kam zum Beispiel von der Firma Shell, die eine Muschel als Logo hat. Am 1. Mai 1996 wird die neue Distribution von Minna auf ihren Sockel gestellt.


Wie kahm die Muschelminna zu ihren Namen?


Es war der Volksmund, der die Göttin in Minna mit Muschel, oder kurz Muschel-Minna, verwandelte. Minna war um 1900 ein gebräuchlicher und beliebter weiblicher Vorname (Kurzform von Wilhelmine, was die weibliche Form von Wilhelm ist). Minna war so alltäglich wie heute Mia oder Emma. Der heutige Volksmund würde sie daher als Muschelmia oder Muschelemma bezeichnen.


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Der Muschelminnabrunnen auf der Karte von Görlitz


Titelbild Copyrights: This media shows the protected monument of Saxony with the ID 09280666 (other). - J.-H. Janßen - Own work - CC BY-SA 4.0

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