Mikwe – Das jüdisches Bad in Görlitz

Mikwe - Das jüdisches Bad in Görlitz

Die Görlitzer Mikwe liegt weit unter Straßenniveau im Untergeschoss des Gasthofs Paul Otto in der Nikolaistraße. Es wird mit Wasser aus den Petersberger Quellen gespeist und hat somit „lebendiges Wasser“. Mit ihm werden jüdische Kaufleute in Verbindung gebracht, die im 14. Jahrhundert in Görlitz lebten. Görlitz liegt an der Via Regia, einem alten Handelsweg, der von Paris nach Kiew führte.


Führungen


Bei Führung erfahren Sie Wissenschwertes zur jüdischen Geschichte vor Ort, der jüdischen Jahreszählung und natürlich über die Rituale in der Mikveh. Die Wassertemperatur beträgt hier unten ganzjährig 6-10 Grad.

Zeiten:

  • März – Anfang November, Donnerstag bis Sonntag
  • Treffpunkt: An der Rathaustreppe, Untermarkt 6-8 (ohne Reservierung)
  • Immer zur vollen Stunde 11:00 – 15:00 Uhr
  • Individuelle Termine auch außerhalb der Öffnungszeiten sind nach Absprache möglich
  • Änderungen der Öffnungszeiten sind möglich

Preise:

Dauer der Führung ca. 30 Minuten
Kinder 6 bis 14 Jahre: 1,00 €, Erwachsene: 2,50 €
Gruppenermäßigungen – ab 10 Personen – sind möglich
Das Jüdische Bad kann auch mit anderen Führungen der TurmTour verknüpft werden, Kombitickets erhältlich

Kontakt & Reservierung (für Gruppen):

FVKS Team TurmTour: Telefon +49 (0)3581 767 83 50, eMail turmtour@goerlitz-zgorzelec.org
Touristbüro i-vent: Telefon +49 (0)3581 42 13 62, eMail info@goerlitz-tourismus.de


Übernachten im Hotel Paul Otto



Warum wurde das Jüdische Bad in Görlitz gebaut?


Görlitz wurde 1071 erstmals urkundlich erwähnt. Im 11. und 12. Jahrhundert sollen sich rund um den Nikolaiturm überwiegend jüdische Kaufleute angesiedelt haben, die dort ihren Geschäften nachgingen. In der Nikolaistraße 5 und 6 (Haus der Destille) soll ein jüdisches Bethaus gegründet worden sein. Im Keller des Hauses befindet sich ein tiefer Pool, genannt “Mikveh”. Dieses Becken soll ein jüdisches Bad gewesen sein. Ein jüdisches Bad ist ein rein ritueller Ort, nicht zum Vergnügen. Anders als etwa die Römer, deren Thermen (die „Thermes“) Orte der Entspannung waren.

Der jüdische Glaube schreibt den Ritus vor, den ganzen Körper unter fließendem kaltem Wasser zu reinigen. Das gilt zum Beispiel für Frauen nach ihrer Menstruation, bevor sie das eheliche Schlafzimmer wieder betreten dürfen. Außerdem verlangt der jüdische Glaube nach begangenen Sünden eine „Reinigung des ganzen Leibes der Seele“, um die Seele von Scham und Unreinheit zu befreien. Die Reinigung erfolgt in einem tiefen Becken des jüdischen Bades, der sogenannten „Bade-Mikwe“, mit kaltem Wasser zwischen sechs und zehn Grad.

Zum Jüdischen Bad, das sich im Gebäude der Brennerei Görlitz befindet, gibt es einen Eingang und einen Ausgang, denn das Wasser muss ständig in Bewegung sein. Gespeist wird der Zufluss durch Wasser aus dem Petersberg und vielen kleinen Quellen, die noch heute vor der Stadtmauer stehen. Dieses jüdische Bad diente vermutlich bis ins 14./15. Jahrhundert als Kultstätte. Danach wurden die Räume nur noch als Lager genutzt, da die Temperatur in den Kellern unabhängig von der Außentemperatur konstant bei sechs bis zehn Grad Celsius blieb. Im späteren Verlauf fließt das Wasser in den Ponte-Kanal.


Die Quellen des Petersbergs in Görlitz


30 Quellen entspringen auf dem Berg unterhalb der Kirche Saint-Pierre. Die Görlitzer Juden nutzten ab 1300 einen dieser Flüsse und bauten eine Mikwe (lebendiges Wasser = fließendes Wasser). Dies ist ein tiefer Pool und wird für rituelle Waschungen verwendet.
Die Juden um 1300 in Görlitz


Die “Judengasse” in Görlitz


Eine “Judengasse” wurde erstmals zu Beginn des 14. Jahrhunderts urkundlich erwähnt; es hätte auch ein “jüdisches Bad” (Mikwe) und einen “jüdischen Friedhof” gegeben – vor der Stadtmauer an der Neiße gelegen. Unter König Johann von Böhmen erhielten die hier lebenden Juden 1329 Schutz; seit 1344 ist eine “jüdische Schule” (Gebetshalle) in Görlitz urkundlich belegt. Wie in vielen deutschen Städten wurden auch in Görlitz lebende Juden während der „Pestzeit“ aus der Stadt vertrieben; aber Jahre später kehrten sie zurück. 1389 erteilte der regierende Herzog dem Rat von Görlitz das Privileg, die Stadt „judenlos“ zu halten; dies war mit ihrer weiteren Vertreibung und wirtschaftlichen Ausplünderung verbunden; die jüdischen Besitztümer – Synagoge und Friedhof – werden beschlagnahmt und gehen in das Eigentum der Stadt über. 1390 wurde die Synagoge abgerissen.


Das jüdisches Bad in Görlitz auf der Karte


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