Heiliges Grab in Görlitz

Heiliges Grab in Görlitz

Das Görlitzer Heilige Grab, auch Görlitzer Jerusalem genannt, ist als sakrales Gesamtkunstwerk entstanden, das sich von der Krypta der Kirche St. Peter und Paul quer durch die Stadt bis zum Heiligen Grab erstreckt. Es ist eine der wichtigsten Touristenattraktionen der Stadt. Die Heilig-Grab-Kapelle in der Neißestadt, die aufgrund ihres frühen Baudatums zum Vorbild vieler vergleichbarer Bauwerke geworden ist, ist eine verkleinerte Kopie des frühmittelalterlichen Jerusalemer Originals, die in ihrer Genauigkeit von keiner anderen erreicht wurde Nachbau des Heiligen Grabes in Deutschland. Es wurde bewusst in die Landschaft integriert. Die letzten Bürgermeister Georg Emmerich und Agnete Fingerin begutachteten während einer Pilgerfahrt ins Heilige Land das Original Heilige Grab in Jerusalem.


Kontakt


Heiliges Grab
Heilige-Grab-Straße 79
02828 Görlitz

Telefon: 03581 315864


Öffentliche Führungen Heiliges Grab


Jeden Freitag 15.00 Uhr
und Samstag 10.00 Uhr und 15.00 Uhr
sowie nach Vereinbarung


Öffnungszeiten Heiliges Grab


März bis September: täglich 9 Uhr bis 17 Uhr
Oktober bis März: täglich 9 Uhr bis 16 Uhr


Über das Heilige Grab in Görlitz


Während des gesamten Mittelalters sehnten sich Christen danach, dem Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi so nahe wie möglich zu sein. Wer konnte, ging ins Heilige Land, nach Jerusalem. Und wo immer möglich, stellten Nachbildungen des Heiligen Grabes eine Verbindung zur zentralen Geschichte des christlichen Glaubens her. Das Heilige Grab von Görlitz ist ein eindrucksvolles Zeugnis dieser spätmittelalterlichen Frömmigkeit. Es ist Teil eines mittelalterlichen Wallfahrts- und Andachtsortes unter freiem Himmel inmitten eines Gartens. Die Gesamtanlage, bestehend aus der Doppelkapelle des Heiligen Kreuzes, dem Salbhaus und der Grabkapelle, ist ein Nachbau der wichtigsten Teile der großen Grabeskirche in Jerusalem, dem Ort der Erinnerung an die Leidenden, Tod und Auferstehung Jesu Christi.

Heiliges Grab
Die Gestaltung der Anlage verdanken wir dem späteren Görlitzer Bürgermeister Georg Emmerich, der 1465 nach seiner Rückkehr von einer Wallfahrt ins Heilige Land mit der Schenkung der ersten dem Heiligen Kreuz geweihten Kapelle den Grundstein legte. Die Kapellen wurden in den Jahren 1481 – 1504 erbaut.


Das Heilige Grab und der Kreuzweg


Dieses einzigartige Ensemble markiert den Abschluss eines Kreuzwegs ausgehend von der Kirche St. Peter und Paul, der größten fünfschiffigen gotischen Hallenkirche Sachsens (1423 – 1497). Sie beginnt am Südportal der Kirche, beim sogenannten Gerichtshaus des Pilatus. Sie führt auf der Görlitzer Via Dolorosa vorbei am „Jesus-Bäcker“ durch die Nikolaivorstadt zum Heiligen Grab. Wie sein Vorbild in Jerusalem hat der Kreuzweg fast 1.000 Stufen. Mit diesem Ensemble aus Kirche St. Peter und Paul, Kreuzweg und Grabeskirche legt die Stadt Görlitz Zeugnis spätmittelalterlicher Frömmigkeit und Landschaftsarchitektur im europäischen Maßstab ab. Führungen, Tagungen, der Kreuzweg am Karfreitag und das Osterfest der Auferstehung übersetzen den biblischen Kontext und laden zu Andacht und Reflexion ein.


Beschreibung der Anlage und der Region


Die Gesamtanlage besteht aus der Grabeskapelle, der Doppelkapelle des Heiligen Kreuzes mit der Adamskapelle (unten) und der Golgathakapelle (oben) sowie dem Haus des Heils. Die Landschaft mit den Hügeln nördlich der Grabkapelle stellt den Ölberg mit dem Garten Gethsemane, mit dem Gebetsplatz und der Jüngerwiese dar. Der Wasserlauf symbolisiert das Tal des Baches Cédron. Die Stadtstraßen von der Krypta der Peterskirche bis zur Anlage bilden den Kreuzweg mit verschiedenen Raststationen. Der Prozessionsweg in Görlitz (von der Kirche St. Peter bis zur Heilig-Kreuz-Kapelle, 709 oder 721 m je nach Route) entspricht in Längsrichtung gesehen dem Weg vom Richterhaus des Pilatus nach Golgatha (721 m).

Die spätgotische Doppelkapelle ist ein äußerlich schlichter rechteckiger Bau mit einem spitz zulaufenden Dachreiter, der mit drei kreisrunden Vertiefungen im Boden im Obergeschoss (Golgatha-Kapelle) mit Fenstern an Maßwerk und einem die Lage der drei Kreuze nachbildenden reiches Gewölbe. Eine Rinne im Boden soll das Blut Christi über einen künstlich angelegten Felsgraben im Mauerwerk (Anspielung auf das Erdbeben beim Tod Christi oder den zerrissenen Vorhang im Tempel nach Mt 27,51 LU) zu Adams Grab leiten die untere Kapelle. Diese Untere Adamskapelle ist als niedrige Krypta mit einem gezackten Spitzgewölbe konzipiert, was auch ein Hinweis auf das Erdbeben sein könnte. Bei dem ausgeprägten Realismus, mit dem hier jedes Detail der Passionsgeschichte wiedergegeben wird, wurde die ganze Anlage wohl mit vielen weiteren Accessoires für die Passionsspiele ausgestattet. Der Name Adamskapelle geht auf das typologisch gedeutete Erlösungswerk (Erlösung Adams und der alttestamentlichen Väter) Christi zurück.

Die Salbungskapelle ist ein kleines Gebäude mit einer breiten Bogenöffnung, die von einem dekorativen Gitterwerk und einem Sternengewölbe im Inneren geschlossen wird. Im Inneren befindet sich eine Skulptur von Hans Olomouc, die um 1500 geschaffen wurde. Sie zeigt Maria, die weinend über ihren vom Kreuz abgenommenen toten Sohn gebeugt ist. Unter der Sandsteinskulptur befindet sich der lateinische Spruch: „O mater Dei, miserere mei, Jesu Christe, propicius mihi esto“ (O Mutter Gottes, erbarme dich meiner; O Jesus Christus, erbarme dich meiner).


Görlitzer Kreuzwegprozession


Von der Kirche St. Peter in Görlitz führt der Kreuzweg in sechs Stationen durch die Nikolaivorstadt bis zum Garten des Heiligen Grabes. Wie sein Vorbild in Jerusalem hat der Kreuzweg fast 1.000 Stufen. Die Görlitzer Kreuzwegprozession, die traditionell am Karfreitag von den Gläubigen mit Andacht und Auferstehungsfeier gefeiert wird, ist eine der größten in Mitteldeutschland. Ihr Ziel, das Heilige Grab, gilt als besterhaltene originalgetreue Nachbildung des Heiligen Grabes in Jerusalem. Die gesamte Anlage, bestehend aus der Doppelkapelle des Heiligen Kreuzes, dem Salbungshaus und der Totenkapelle, ist ein Ort der Erinnerung an das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi und kann individuell oder im Rahmen einer Führung besichtigt werden das ganze Jahr. Was den Görlitzer Heilig-Grab-Komplex von anderen unterscheidet, ist seine Einbettung in die Landschaft, der die Charakteristika Jerusalems symbolisch zugeschrieben werden. Die Hügel nördlich der Grabkapelle stellen den Ölberg mit dem Garten Gethsemane, mit dem Gebetsplatz und der Jüngerwiese dar. Der Lunitzbach, der im Tal zwischen Ölberg und Heiligem Grab fließt, symbolisiert das Tal des Kidronbaches.


Hotels am Heiligen Grab in Görlitz



Das Heilige grab in Görlitz auf der Karte



Personen, die mit dem Heiligengrab in Verbindung gebracht werden


Agnes Fingerin

Agnès oder Agnete Fingerin (–1515) ist eine der wenigen Frauen des Mittelalters, die nach dem Tod (1465) ihres wohlhabenden Mannes mehr als 50 Jahre ein selbstbestimmtes Leben führte, ohne verheiratet zu sein. Sie pilgerte 1476 mit der Wandergruppe des Herzogs Albrecht von Sachsen, „einer Frau von männlichem Mut und einer als Mönchskutte verkleideten Sprache“, ins Heilige Land. So wird es in den Reiseberichten von Hans von Mergenthal erwähnt. Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass sie die Pläne für den Bau des Heiligen Grabes von Görlitz aus Jerusalem mitbrachte. Wahrscheinlicher ist, dass der Planung ein zeitgenössischer Reisebericht von Bernhard von Breidenbach zugrunde lag.

Georg Emmerich

Nach seiner Pilgerreise wurde Georg Emmerich Mitglied des Stadtrates von Görlitz und fünfmal zum Bürgermeister gewählt. In dieser Funktion unterstützt Emmerich den Bau des Heiligen Grabes. Quellen belegen, dass die Familie Emmerich diese Anlage nicht besitzen konnte, wonach die Bürger der Stadt für ihren Erhalt zum Wohle der Allgemeinheit kämpfen. Laut Richard Jecht war das Grundstück, auf dem das Heilige Grab errichtet wurde, nie in Emmerichs Besitz. 1595 verlangte der Rat auch die Schlüssel von Emmerichs Erben. Ein Enkel von Emmerich ließ 1578 in der Adamskapelle zwei Epitaphien (lateinisch und deutsch) errichten, was zu der Legende führte, dass er der Gründer dieser Anlage war.

Reisen ist Freiheit

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