Altes Rathaus Görlitz

Altes Rathaus Görlitz

Das Alte Rathaus in der sächsischen Stadt Görlitz wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt. Von 1350 bis 1818 bildete es das Zentrum des Alten Rathauskomplexes, bestehend aus Gerichtsbarkeit, Münze und Tanzsaal, und wurde durchgehend als Rathaus genutzt Verwaltungsgebäude. Der sogenannte Gerichtsflügel ist einer der ältesten Teile des Rathauses, der sich über zwei Stockwerke über einen Teil der Brüderstraße erstreckt und als Gerichtskanzlei diente.


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Altes Rathaus Görlitz

Untermarkt 6
02826 Görlitz


Öffnungszeiten


Montag Geschlossen
Dienstag Geschlossen
Mittwoch 11:00–18:00
Donnerstag 11:00–18:00
Freitag 11:00–18:00
Samstag 11:00–18:00
Sonntag 11:00–18:00


Erscheinungsbild des Alten Rathauses


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Untermarkt 6

Der Untermarkt 6 ist der älteste Teil des Gebäudes. Das Gebäude besteht aus dem unteren Teil des heutigen Rathausturms und dem nördlich angrenzenden Nebengebäude. Das Gebäude war ursprünglich ein böhmisches Dienerhaus aus vorgotischer Zeit. Die Fassade blieb weitgehend unverputzt. So konnte man die sorgfältig gearbeiteten Sichtfugen des Backsteingebäudes untersuchen. Im zweiten Stock dieses Gebäudes befanden sich zwei große Spitzbogenöffnungen. Diese stammen aus der Zeit der Gotik und sind auf alten Zeichnungen zu finden. Auf dieser Etage befand sich das sogenannte königliche Schlafzimmer. Es diente als Amtssitz des Bürgermeisters und war aufgrund seiner erhöhten Lage von außen als solches erkennbar. Die beiden Obergeschosse haben eine deutlich geringere Wandhöhe. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das Gebäude erweitert. Der Umbau war gotisch. Aus dieser Zeit stammt die Blindnische im Nordgiebel. Im 19. Jahrhundert erfolgten weitere Umbauten, bei denen die Höhe der Fenster in den Obergeschossen axial angepasst wurde.

Der Rathausturm

1378 wird der Turm des Rathauses erwähnt. Die Höhe des Turms sollte den Einwohnern von Görlitz jedoch nicht genügen. Von 1511 bis 1516 wurde der Turm um 60 Meter erhöht. Natürlich stand der Gedanke an die gute Aussicht auf die Stadt im Vordergrund. Allerdings nicht für Turmbesucher, sondern für den Stadtschutz. Viele Jahre lebten die Turmwächter mit ihren Familien im Turm, die sich vor Gefahren in Acht nehmen mussten. Der Turm war achteckig und im obersten Stockwerk von einer Brüstung umgeben. Nachdem der Turm 1742 durch einen Blitzeinschlag zerstört wurde, wurde er in seiner heutigen Form wieder aufgebaut. Beim Umbau wurden auf der Marktseite zwei Uhren befestigt.

Hof bzw. Gerichtsflügel

Der Hofflügel ist einer der ältesten Teile des Rathauses. Es erstreckt sich mit zwei Obergeschossen über einen Teil der Brüderstraße. Der Bau begann Anfang des 15. Jahrhunderts. Es dauerte etwa 200 Jahre, bis es die Form annahm, die wir heute kennen. Nach mehreren Umbauten hat sich auch das Aussehen des Flügels verändert. Heute erstrahlt es im Neo-Renaissance-Stil. Der altgotische Zustand ist jedoch auf Zeichnungen aus dem späten 18. Jahrhundert zu erkennen. Der Bau wurde im 19. Jahrhundert stark vereinfacht. Aus dieser Zeit stammt auch der heute noch angebrachte Projektionsputz.

Das neue Rathaus

Anfang des 20. Jahrhunderts endete der Ausbau des Rathauses. Der Architekt Jürgen Kröger vollendete den Neorenaissancebau 1903. Das Wappen des Sechsstädtebundes der Oberlausitz ist am Rathaus zum Untermarkt zu finden. Jeder von ihnen wird von einem Krieger präsentiert, der die Last der Säulen trägt. Das Gebäude erinnert an die Bürgerhäuser von Görlitz im 17. Jahrhundert, der Bau ist imposant und spiegelt den Zeitgeist der aufstrebenden Stadt wider. Aufwändig gestaltete Säulenelemente dominieren die vordere Fassade. Im Gegensatz zur aufwändigen Marktfassade des Gebäudes wurden die Seiten- und Rückfassaden einfach mit weißen Fliesen verkleidet. Insgesamt ruht das Rathaus auf mehreren barocken Portalen der beiden Herrenhäuser, die dem Bau weichen mussten. Dies war die letzte bauliche Veränderung des Rathauses. Die Stadtverwaltung hatte nun mehr Räume für sich und auch die Stadtsparkasse hatte ihren Sitz in den Neubau verlegt. Es folgten der Ratskeller und ein Gefängnis.


Die Baugeschichte des Rathauses


Das heutige Rathaus an der Westseite des Untermarktes ist keineswegs das erste Rathaus der Stadt Görlitz. Zuvor diente die jetzige Leiter an der Ostseite der „Zeile“ am Untermarkt als Versammlungsort des Stadtrates. Das neue Rathaus dürfte Anfang des 14. Jahrhunderts auf einem ehemaligen Freihof einer der Görlitzer Familien errichtet worden sein. Aus diesem Grundbau heraus wurde das Rathaus im Laufe der Zeit mehrfach erweitert, um seiner politischen, administrativen und repräsentativen Funktion gerecht werden zu können.

Eine der ersten Veränderungen war 1380 die Erweiterung des Rathauses um einen westlich angrenzenden Audienzsaal für den Ratshof. 1488 wurde das spätgotische Sandsteinrelief an der Südwand des Turms angebracht. Es zeigt das Wappen des neuen böhmisch-ungarischen Königs anlässlich des Widerstands der Stadt gegen den „Ketzerkönig“ Georg Poiebrad, der zu seiner Ablösung und Inthronisation von Matthias Corvinus geführt hatte. Aus der gleichen Zeit dürfte auch das Stadtmotto stammen, das 1852 auf dem am Frauenturm angebrachten Relief verewigt ist. Es verkündet in großen lateinischen Buchstaben „INVIA VIRTUTI NULLA EST VIA“ (Für Tapferkeit gibt es keinen Weg).

Zwischen 1511 und 1516 wurde dem massiven quadratischen Turm ein achteckiger Turm hinzugefügt. Verantwortlich war der Görlitzer Ratsbaumeister Albrecht Steiglitzer in Zusammenarbeit mit dem sächsischen Landesbaumeister Peter von Pirna. Die heute sichtbare kupferne Turmkappe im Barockstil ziert den Turm erst, nachdem ein Blitzschlag am 9. Juli 1742 die alte spätgotische Turmspitze zerstörte.

Die auffälligste Änderung des Turms erfolgte jedoch 1527, als eine zweiseitige Turmuhr angebracht wurde. Während das obere Zifferblatt noch heute in seiner ursprünglichen Form als 24-stellige Monduhr erhalten ist, wurde das untere Zifferblatt 1584 vom Görlitzer Astronomen und Mathematiker Bartholomäus Scultetus modifiziert. Er änderte das Zifferblatt der unteren Uhr von 1527, die ebenfalls 24 Stellen hatte, auf ein Zifferblatt mit 12 Stellen und passte das Uhrwerk entsprechend an. Neben den goldenen Buchstaben mit der Jahreszahl „1584“ ist auch der Kriegerkopf (auch „Gaffkopf“ genannt) auf dem Zifferblatt angebracht. Damals zeigte er noch den Lauf der Zeit an, indem er im Minutentakt den Unterkiefer senkte und im Takt des Pendelschlags die Augen verdrehte. Der über der Uhr auf einem Fensterbrett sitzende Löwe informiert durch eine Orgel über den Mondwechsel, seit 1951 zeigt er Passanten mit seinem Gebrüll Mittag und Mitternacht an.

Das wohl eindrucksvollste Zeichen der Macht des Rats, auch über die Bürger von Görlitz, ist das 1537/38 erbaute Renaissance-Treppenhaus mit prächtigem Portal und Kanzel, das einen markanten Kontrast zum voluminösen Bau des Stadtturms bildet Saal. Er wurde 1591 mit einer Statue der Justitia vervollständigt, die von der hohen Gerichtsbarkeit des Gemeinderates zeugt. 1952 wurde es abgebaut und durch eine originalgetreue Kopie ersetzt. Bemerkenswert ist, dass die Görlitzer Justitia im Gegensatz zur traditionellen Darstellung keine Augenbinde trägt. Selbst zeitgenössische Spötter dachten, dies spiegele die Gepflogenheiten der Ratsgerichtsbarkeit wider, bei der das Ansehen und der Status des Angeklagten das Urteil beeinflussten.

Nördlich, am Untermarkt, grenzte die Werkstatt an den Rathausturm, verschwand aber bald und wurde später zweckentfremdet. 1556 wurde ein Renaissancebau angebaut. Die beiden Fassaden der Gebäude wurden jedoch im 19. und 20. Jahrhundert stark verändert. Letzte Ausbaustufe ist das 1902 errichtete Neue Rathaus mit seiner Neorenaissance-Fassade.


Das Altes Rathaus Görlitz auf der Karte


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